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·Markus Andrezak

Ein Raum am Berg. Wie mein Cover entstand, und warum das mit den Claude-Projekten erst mal nicht lief

Ein Tag, keine Zeile Code, ein Raum am Mont Blanc. Meine Sicht auf das Cover: der Vormittag zum Verzweifeln, was es gerettet hat, und was ich über Claude Projects gelernt habe. Nicht leicht, aber jeder kann es.

Ein Raum am Berg. Wie mein Cover entstand, und warum das mit den Claude-Projekten erst mal nicht lief

Das Warum: Felix Rieseberg (Engineer, Member of Technical Staff, Builder bei Anthropic) hat in einem Blogartikel beschrieben, wie er eine wunderschöne Einstiegsseite zu seiner Homepage gebaut hat. Er arbeitet bei Anthropic und ich wollte sehen, wie er das gemacht hat. Ein professionelles Hobby von mir ist, zu analysieren, wie „solche Leute“ mit den heutigen Tools arbeiten, um zu sehen, welche ihrer Techniken ich auf meine Nicht-Coding-Arbeit übertragen kann. Hier war der Aspekt, der mich interessiert hat, dass Felix sich vor allem auf ein neues Claude-Code-Feature – Projects – stützt. Dabei haben bei ihm zeitweise um die 60 „Threads“ parallel an seinem Projekt gearbeitet. Für mich ist das ein Hinweis, Projects verstehen zu wollen, vor allem in öffnenden Phasen von Arbeit oder wenn Arbeit radikal delegiert werden kann. Aber ich wusste es nicht. Also musste ich es probieren.

Felix Rieseberg: sein Raum auf felixrieseberg.com Felix’ Raum auf felixrieseberg.com: Schreibtisch, Röhre, VHS-Kassetten, Regen vor dem Fenster.

Noch kurz zum Hintergrund: zeitweise haben bei Felix bis zu 60 unabhängige Threads an Felix’ Website gearbeitet, mit Details wie: Die Musik wurde selbst gerechnet, wofür ein eigener Synthesizer in Python gebaut wurde. Die Kopie einer Werner-Herzog-Dokumentation wurde gerendert und läuft in einem kleinen Monitor im „Büro“. Das ganze Büro ist ein komplexes 3D-Objekt mit zig Details wie 3D-gerenderten Videokassetten, Monitoren, Regalen usw. (An die Komplexität heranzukommen war nicht mein Ziel, aber zu verstehen, wie das geht und wo die Grenze ist.)

Das Objekt, an dem ich es probieren wollte: Auch eine Art Intro / Skip Intro zu meiner Website, mit der Bedingung, dass es nur ein Layer wird und Google und die AI-Bots weiterhin meine Seite ungehindert lesen können. Ich wollte ja nur etwas probieren, um zu lernen.

Im Ergebnis: Wenn du in den letzten 2 Wochen ueberproduct.de besucht hast, kamst du in meinen Raum. Ein Tisch vor einem großen Fenster. Draußen der Mont Blanc. Auf dem Tisch eine gelbe Moccamaster, ein oranger SABA-Fernseher, ein cremefarbenes Radio, ein Buch mit einem Sticker drauf: „Bald“.

Fährst du über die Kaffeemaschine, brüht sie und du kannst einen Termin mit mir buchen. Fährst du übers Radio, läuft der Podcast, klickst du, kommst du zu den Podcast-Folgen. Auf dem Fernseher läuft ein Training, wie in Zoom. Klickst du, kommst du zu meinen Trainings. Oben rechts steht „Sofort“. Ein Klick, und du bist auf der normalen Website.

Das ist das Cover. Gebaut an einem Tag, am 20. Oktober. Morgens um sieben ging’s los, um zehn nach fünf war es live. Ich habe keine Zeile Code geschrieben. Und keine gelesen.

Klingt easy. War es nicht. Zumindest nicht bis zum Mittag.

Und es ist noch schlimmer: Was Claude in seinem Bericht aus seiner Perspektive nicht wissen konnte und damit verschweigen musste: Ich hatte das Ganze schon einmal probiert, das Ergebnis war aber zu kitschig geworden und ich bin in Probleme mit „Projects“ gelaufen. Die Project-Learnings kommen ganz am Ende.

Der erste Versuch: die Aiguille du Midi als Sternbild-Karte mit Beiträgen und Kursen Der erste Versuch, Tage davor. Die Aiguille du Midi als Sternbild. Zu kitschig.

Das Cover auf ueberproduct.de, Desktop Das Cover, Desktop. Screenshot von heute.

Was ich wollte

Obwohl das alles nach „Skip Intro“ klingt und aussieht, durfte es das nicht werden. Das war einer der wichtigsten Sätze im Briefing. Wer alt genug ist, kennt noch die Vorspänne aus den Nullerjahren, die nichts zum Angebot sagen, beim ersten Mal vielleicht noch lustig sind, aber bald nur noch nerven und - schlimmer - vom Inhalt ablenken und ihn verdecken. Ich wollte das Gegenteil. Ein Cover, das hilft, die Website schnell zu erschließen und schnell auf den relevanten Bereich zu klicken. Nach zehn Sekunden weißt du, was ich anbiete: AI-Augmented Product Management, das Strategy Collective, einen Kaffee mit mir. So wenig störend, dass man es jedes Mal zeigen kann.

Dazu sollte es warm sein und charmant. Aber kein Kindergeburtstag. Meine Kunden sind erfahrene Produktleute, die zweitausend Euro für Strategiearbeit zahlen. Charme heißt hier: Geschmack, Licht, ein kluges Detail. Nicht Gags. Und vieles davon ist subjektiv, deswegen war der Filter: Hat es etwas mit mir zu tun?

Der Maßstab war also Felix’ Raum. Gesteuert vom Handy, unterwegs auf dem Rad. Keine Zeile Code gelesen.

Ich dachte: Genau so. Das mach ich auch.

Der Vormittag: fast zum Verzweifeln

Wie es am Morgen anfing. Wie gesagt: eine schlechte Erfahrung ging voraus, so dass ich schon einiges wusste. U. a. die neuen Projects in Claude (nicht die alten aus Cowork usw. – das hier ist ein anderes Biest). Schlussfolgerung: Ich muss mehr in Kontrolle sein, weil nicht klar ist, was Projects koordinieren und was nicht. Drum: Erst mal Setup. Spielregeln für alle Threads, eine Datei für Entscheidungen, eine Liste aller Versuche, das Repo der Website ans Projekt gehängt. Erster kleiner Stolperstein gleich am Anfang: Projects laufen in der Cloud bei Anthropic. Und der Cloud-Rechner, auf dem Claude arbeitet, durfte Felix’ Artikel nicht öffnen. Die Netzwerkfreigabe hatte sich still wieder auf „eingeschränkt“ gestellt. Ich hatte das schon mal auf voll gestellt. Wieder umgestellt, weiter.

Jetzt Discoveryphase: Hier wollte ich vor allem viele unabhängige Threads ausnutzen. Erst einmal viele Grundrichtungen. Einfache Wireframes, um eine Bürokonstruktion zu finden, die passt. Büro, Ausblick, Fenster – aber Weite. Alles auf einmal. Daran war ich zuvor gescheitert und habe mir vieles schwer gemacht. Deswegen jetzt erst einmal viel, grob und roh. Striche. Dazu noch Briefings von Orten, die mit zu tun haben um den „Ton“ mit reinzubringen. Ich habe viel erzählt, buchstäblich in Claude diktiert. Fotos geschickt: Aiguille du Midi, der Blick auf den Mont Blanc, ein Glasbüro im Morgennebel, Felix’ Schreibtisch. Gesagt, dass das Eindrücke sind, keine Vorlage. Als es nicht weit genug wurde, habe ich Felix’ Artikel mitgeschickt, um zu zeigen, wie breit dort gestreut wurde. Claude schickt nicht viele parallele Agenten von sich aus los und versuchte es erst einmal einfacher.

Was jetzt kam: zwölf Welten als Strichskizzen. Dann Varianten davon. Dann ein heller Raum in 3D. Dann derselbe Raum in sechs Farbpaletten. Dann mit Holztextur. Gipfelnd in Nussbaum. Hier bin ich gestorben, weil es offensichtlich ein Missverständnis gab. Nach allem, was wir durchlebt hatten, war mir nicht klar, wie jetzt Nussbaum kommen konnte als dominierende Textur, Charakter: Nussbaum ist das schlimmste aller Möbelhölzer.

Der echte Fail: Jetzt wurde aber jede Runde enger, nicht weiter. Hatte ich mich für eine Richtung entschieden, wurde diese sofort geschlossen und fast „produziert“. Aber nichts wurde besser. Kein Gegenentwurf, keine Überraschung. Halbgutes wurde als Einengung genommen. Middle of the road. Und nirgendwo Charme, um den es aber ging.

Ein Teil davon war hausgemacht. Ich hatte gesagt: frühe Phasen grob, keine Hi-Fi-Ergebnisse. Gemeint war Brainstorm-Niveau. Angekommen ist Wireframe. Baukasten-SVG trägt kein Gefühl.

Mein Learning: ich muss unendlich aufpassen, dass Konkretisierungen nicht sofort wörtlich genommen werden. Uns Menschen geht es oft ähnlich. Ich war einmal in einem Unternehmenskontext, da hat jemand anderen gerne Richtungen erklärt, indem er konkrete Lösungsbeispiele genannt hat. Die Kollegen wurden wild, weil sie dachten, sie sollen das jetzt bauen. Er wollte damit aber nur die Richtung andeuten, die konkrete Lösung war ihm egal. Den Unterschied zu verstehen ist nicht trivial. Hier auch nicht.

Ich hatte dann diesen „erfolglosen“ Thread gestoppt. Neuer Anlauf, diesmal Hauptthema „mit Charme“. Hauptsache Nussbaum geht weg. (Es klingt albern, während ich es schreibe, wirkte aber damals existentiell.) Ergebnis: sechs Themenorte. Baumhaus, Ballon, Alm-Festival, Segelboot, mit Witzschildern. Das Pendel war volle Kiste auf die andere Seite geschwungen. Entertainment. Kindergeburtstag. Party-Gags. Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Wo war all mein Input hin? Alles, was ich beschrieben hatte, schien buchstäblich vom Tisch gefegt worden zu sein.

Um halb zehn habe ich geschrieben: „ok, schon wieder zum Verzweifeln.“ Und kurz danach, kurz vor Surrender: Wenn das die Grenze ist, dann jetzt ein ehrliches Urteil und Finito.

Wo der Diff zu Felix lag

Ich habe dann gefragt, was eigentlich der Unterschied ist. Ich bilde doch Felix’ Prozess ab. Sowohl Claude als ich wussten, „wie es geht“, und taten doch etwas anderes. Wo ist also der Diff?

Die Antworten waren unbequem, für beide Seiten:

  • Ein Thread statt zehn. Felix hatte zehn Richtungen parallel. Bei uns hat ein einziger Thread alles nacheinander gemacht. Eine Hand, also immer dieselbe Mitte.

  • Verengen statt verdoppeln. Wenn Felix sich für eine Richtung entschieden hatte, gab es in der Folge fünf mutigere Varianten davon. Wir hatten Hölzer iteriert. Boring.

  • Skizzen statt Seiten. Felix’ Brainstorms sehen aus wie fertige Seiten. Art Direction, Typo, Farbe, eine Idee. Unsere sahen aus wie Wireframes. Immer noch. Wir hatten die Phase nicht geändert, obwohl wir weiter waren. Worst of all worlds. Low-Fi geblieben, aber eingeengt. Meilen davon entfernt.

  • Stille Post. Der Koordinator, also der Claude, der die Threads steuert, hat meine Kritik umformuliert weitergegeben. Damit hat er die Threads hin und her geschoben.

Und mein Teil, den ich mir auch anhören musste: Parallele Threads hätte ich von Anfang an verlangen können. Ich hatte ja Felix’ Post geschickt. Aber genauso: Die Briefings hätte der Koordinator aus meinem Input festlegen müssen, statt jedes Mal neu zu interpretieren.

Dann kam der Klassiker. Ich gebe einen Hinweis, und es wird sofort alles Bestehende weggeworfen. Ich gebe nur Ziele, wie Felix sagt („We’re talking more about goals and less about how to achieve them“), und es wird beliebig. Honestly, da bin ich tagelang durch. Beides ist falsch.

In the heat of the moment ist es unheimlich schwer, das „Wie“ komplett abzugeben und wirklich immerzu nur auf den Outcome zu reagieren und auf dieser Ebene zu bleiben. Ich predige das in meinen Kursen von morgens bis abends und in meinen Alltags-Tasks bin ich dabei religiös. Hier war aber neues, forderndes Gelände und - zack - schon wurde ich schwach und damit war Claude nicht klar, auf welcher Ebene ich „rede“.

Finally: Was das Projekt gerettet hat

Drei Dinge. Alle nicht trivial, keins davon steht in Felix’ Artikel. Wie immer: Fragst du den Experten, kann er dir nicht erklären, warum es bei ihm klappt.

Ein Brief, nur mit meinen Worten. Eine Datei. Alles, was ich gesagt habe, möglichst wörtlich. Keine Regeln von Claude dazu. Neue Kritik wird ergänzt, sie ersetzt nichts. Das war der Anker gegen das Pendel.

Ein Prüfer, der nur den Brief kennt. Bevor ich einen Entwurf sehe, prüft ihn ein unabhängiger Claude gegen den Brief und meine Bilder. Hartes Ja oder Nein. Was durchfällt, sehe ich nicht. Das hat Runden gekostet. Aber es hat mir den Müll erspart. Konkret heißt das: Claude baut viele Varianten zu Details oder Aspekten im Hintergrund, die ich gar nicht zu sehen bekomme, weil Claude sie bezüglich meiner Intention schon nicht mehr passend findet. Der ganze Zweig und die Enttäuschung zu „Nussbaum“ wären entfallen. Stunden von Frustration.

Kurzer Hint: Hier lohnt es sich, Entwicklern ihre Praktiken zu „klauen“. Mehr in einem späteren Artikel.

Feedback ist ein Diff. Was ich nicht kritisiere, bleibt stehen. Neu angefangen wird nur, wenn ich es sage. Es klingt banal, war aber der wichtigste Satz des Tages.

Dazu ein Satz, den ich irgendwann einfach geschrieben habe: „Vielleicht müssen die Threads erstmal verstehen, dass sie Designer sind.“ Wenn ich einer Agentur sage „ich mag die Struktur von dem und die Wärme von dem und Details wie den Plattenspieler“, dann kombiniert die das und legt nach. Sie engt nicht ein. Genau das steht seitdem ganz oben im Gedächtnis des Projekts.

Konkret sitzt man vor den Ergebnissen, öffnet Sprachmodus und diktiert Stream of Consciousness, was einem gefällt und was nicht. Verrückterweise macht es das wieder einfach. Man muss sich aber dran halten.

Das hatte aber etwas zur Folge, was ich bis heute merkwürdig finde: Ich wurde irgendwann paranoid, den Agenten Feedback zu geben. Weil sie oft so unglaublich sensibel reagieren (siehe das Pendel Richtung Party-Gag als Beispiel). Kritik kam an wie ein Erdbeben. Zerknirschung, Neustart, alles neu. Auch das steht jetzt im Gedächtnis. Also: Kritik nüchtern als Diff nehmen. Kurz bestätigen. Weiterarbeiten.

Am Rande: Felix arbeitet bei den Modellen auf hoher Denkstufe, ich auf mittlerer. Der Koordinator hat vorgeschlagen, hochzudrehen. Ich habe das nicht gemacht. Mittel überall. Goldilocks. Ich bin mir sicher, das hätte nicht den Unterschied gemacht. Was ein Problem war, war kein Modell-Problem. Das ist auch, warum ich den Tipp Claude nicht abgenommen habe.

Next Step: Vier Richtungen, dann drei, dann eine

Um 9:39 liefen dann vier Threads parallel. Alle mit demselben Brief.

  • Glashaus: Schreibtisch vor dem Mont Blanc im Alpenglühen.

  • Foto mit Tiefe: mein Bergfoto plus Tiefenkarte, Felix’ Trick mit Depth Anything V2. Der Berg bewegt sich leicht gegen den Raum, wenn du die Maus bewegst.

  • Retro-Hightech: Bernstein-Terminal, Fallblatt-Countdown. Erste Fassung „zu stark 1:1 geklaut“, das war Felix’ Röhre mit Felix’ Kassetten. Zweite Fassung eigen. Das ist oft passiert: ich hatte so viel Felix-Briefing drin, dass es schwer war, davon wegzukommen (offenbar außer bei Nussbaum ;) Bis jetzt ist alles auf einer gewissen Ebene eine Felix-Kopie, ganz anders aber eben doch. Aber good enough for my purpose.

  • Spiel-Tutorial: Sonnenuntergang, 8-Bit. Zu dunkel. Und eine Liste links, die es auf der Website schon gibt. Das Cover soll nicht doppeln. Die Gegenstände sollen die Highlights erschließen.

Mittags, nach der nächsten Runde, mein Fazit: „Ha. Die Runde hat fast keine Erkenntnis gebracht.“ Aber jede Richtung hatte ein Stück, das trug. Das Glashaus hatte die Weite. Retro-Hightech hatte den meisten Charme im Büro. Foto mit Tiefe den besten Hintergrund.

Jetzt war die Konsequenz, die Denk-Threads zusammenzubringen: Hintergrund etwas videospieliger, Büro etwas fotorealistischer, in der Mitte treffen. Dazu habe ich Bilder geschickt von Geräten, die ich liebe. Farbiges 70er-Industriedesign. Moccamaster gelb, SABA orange.

Aus dem Thread: Moccamaster und SABA als Ästhetik für die Geräte Original aus dem Thread: Moccamaster gelb, SABA orange. „Hier Ästhetik für Geräte usw.“

Und weil ich wieder breit gehen wollte: drei analoge Looks parallel, je ein Thread. Filmfoto, Siebdruck, Gouache-Plakat.

Die drei analogen Ansätze: Filmfoto, Siebdruck, Gouache-Plakat Die drei analogen Looks nebeneinander: Filmfoto, Siebdruck, Gouache-Plakat.

Um 13:50 war klar: Filmfoto gewinnt. „Kombination: Weite, Büro, Berg.“ Alles ist ein Mittelformat-Negativ. Berg und Büro durch dieselbe Entwicklung. Weiche Lichter, warme Schatten, Korn, ein Lichthof um helle Stellen.

Kleine Randnotiz zum Thema Projekte (immer noch: Fazit siehe unten): In genau der Minute hat der Koordinator dem Gewinner-Thread erst gesagt, er solle aufhören, es gehe mit dem Gouache-Plakat weiter. Zwei Minuten später: Kommando zurück. Wer viele Threads steuert, verwechselt auch mal welche.

Durchbruch: Ab hier wurde es easy

Und dann, ab hier, wirklich, kippte es. Ab dem Gewinner war es ein Vergnügen. Jetzt geht es um Details, Polish, es „schön“ machen. Ab hier ist es eher schwer aufzuhören.

Ich sage etwas, zehn Minuten später steht es da. Gleicher Link, neue Version. Ich klick mich am Handy durch, schick zwei Sätze zurück. Dopaminrausch: Gedanken werden sozusagen Wirklichkeit, weil der Rahmen steht.

  • Moccamaster aus Blender. Ein freies Modell gab’s im Netz nicht, nur Kaufmodelle. Also selbst gebaut, echte Maße 36 × 32 × 17 cm, Proportionen aus meinem Foto. Genau das, was ich bei Felix gelesen und vorher nie bekommen hatte: Claude löst das Asset-Problem selbst, statt zu klagen, dass es keine Fotos gibt.

  • Radio. Ich habe drei Vorschläge gemacht: Krups, Europhon, Seiko. Der Thread hat als Designer gewählt. Das Europhon, weil es das einzige echte Radio ist und flach liegt. In Creme statt Orange, sonst stehen da zwei orange Kisten. Gute Begründung. Genommen.

  • Fernseher. Zeigt eine Zoom-Sitzung. Kanal 1 AI-Augmented PM, Kanal 2 Strategy Collective. Im Hintergrund ein Gespräch mit viel Hall, wie Atmo im Videospiel, aus einem gemeinfreien LibriVox-Hörspiel. Das Umschaltgeräusch war zu laut. Ein Satz von mir, jetzt ist es ein Zehntel.

  • Kaffee. Fährst du drüber, brüht sie. Zischen, Gluckern, ein Tropfen. Und alles andere tritt zurück, damit du nur das Blubbern hörst. Klickst du, kannst du einen kurzen, kaffeelangen Slot mit mir buchen.

  • Das Buch. Mit Sticker „Bald“. Du kannst blättern. Das E-Book zum Strategy Collective kommt.

  • Mauseffekt und Übergang liefen parallel in eigenen Threads, als eigene Module. Ich habe gewählt: Licht plus leichte Regung, wenn du in die Nähe kommst. Und der Übergang „Schirm“: Du fährst rein ins Gerät, drüben schaltet die Website ein wie ein Röhrenfernseher.

Aus dem Thread: Radio-Vorschläge Europhon, Seiko, Krups Original aus dem Thread: „Radio: Krups, Europhon oder Seiko“. Gewonnen hat das Europhon.

Details: SABA-Fernseher mit Zoom-Sitzung, Moccamaster aus Blender Fernseher und Moccamaster im Detail.

Dann die Feinschliffe. Mehr Glow auf dem Grat. 25 Prozent mehr? Zu viel, zurück auf 15. Das Label „Aiguille du Midi 3842 m“ muss weg. Der Tisch 18 Prozent dunkler für den Kontrast. Der Claim heißt jetzt: „Produkt und Strategie. Und AI dazu. In einem.“

Um 16:33 habe ich geschrieben: „sehr gut.“

Das Bild war von mir

Eine Geschichte noch, weil sie so schön ist. Vor dem Livegang ging es um Lizenzen. Wem gehört das Bergfoto? Der Koordinator hatte aus einem Dateinamen einen Fotografen von Pixabay abgeleitet. Falsches Bild. Dann einen anderen Fotografen. Auch falsch. Dann die Vermutung, es sei ein Airbnb-Screenshot.

Bis mir einfiel: Das Bild ist von mir. Kein Credit, kein Tausch, kein Thema. Huch, das gehört ja ohnehin mir. Das hatte ich aber im Eifer des Gefechts vergessen.

Live

Um 16:34 hab ich gefragt: Wollen wir es live testen? Ein eigener Thread hat das Cover als Ebene über die Startseite gelegt. Die Startseite bleibt darunter, auch für Google. Das Cover kommt nur, wenn du von außen kommst, nicht beim Klick auf Home. In der Navi steht jetzt „▲ Raum“, damit man zurück kann.

Dann Safari. Ich bin ja nicht der Headless-Browser.

  • Der Ton startet nicht von allein. Geht auch nicht, das verbieten alle Browser vor dem ersten Klick. Jetzt sagt der Knopf das ehrlich.

  • Schwarze Felder, die unförmig der Maus hinterherlaufen. Reproduziert: Wenn du beim Laden mit der Maus rumfährst, zielt der Lichtfleck ins Leere und bleibt kaputt. Gefixt.

  • Am iPhone ging „Ton aus“ nicht, und der Finger hat nichts ausgelöst. Beides gefixt.

Um 17:09: „passt jetzt.“ Um 17:09: „live.“

Zwei Minuten später der erste Bug in Produktion: Das Radio führt auf die Kontaktseite statt zum Podcast. Ursache: Über der Kaffeemaschine steigt unsichtbarer Dampf auf. Der hat die Klicks abgefangen, die eigentlich das Radio meinten. Großartig. Gefixt, über einen kleinen PR mit Vorschau, live auf mein Wort.

Drei Tage später: iPhone Duo und die Navi

Am 23. habe ich gefragt, ob das Ganze auf einem iPhone Duo gut aussieht. Außen, innen, hoch, quer. Ich habe keins, fände das aber wichtig ;)

Antwort: nicht überall. Auf dem kleinen iPhone und quer lagen die Schilder im Cover übereinander. Und auf acht Seiten klebte der Text auf dem Handy direkt am Bildschirmrand. Ein CSS-Fehler, den keiner gesehen hatte. Beides gefixt. Auf dem Duo dann alle vier Ansichten sauber. Die Maße waren Schätzwerte aus dem Netz, ich hab die offiziellen Daten nachgereicht. Durch drei geteilt: exakt die Schätzwerte.

Nebenbei kam raus: Das Menü frisst auf dem Handy fast ein Drittel vom ersten Screen. Neuer Thread, drei Varianten. Mein Einwand: Beim Register wäre der klassische Hamburger mit drei Strichen einstudierter. Umgebaut. Live. Von meiner Frage bis live: 34 Minuten.

Was ich mitnehme

  • Felix’ Artikel ist kein Rezept. Er beschreibt, was rauskam. Nicht, was er alles nicht hinschreiben musste, weil es bei ihm einfach lief. Die Lücke mussten wir selbst schließen. Bei Felix hat vieles einfach so geklappt, weil er mit komplexen großen Kontexten ohnehin umgeht und noch mehr internalisiert hat, wie LLMs funktionieren. Hint: Das kann man nicht lesen. Das kann man nur selber lernen. Indem man viel mit Claude etc. arbeitet. There is no shortcut, aus meiner Sicht.

  • Projekte sind ein Team, kein Werkzeug. Mit allem, was Teams so haben. Stille Post. Jemand, der zu früh stoppt. Jemand, der Kritik persönlich nimmt. Jemand, der Nussbaum gut findet.

  • Ein Brief schlägt hundert Notizen. Meine Worte, an einer Stelle, ergänzt statt ersetzt. Und einer, der jeden Entwurf dagegen prüft, bevor ich ihn sehe.

  • Breit bleiben, bis es trägt. Die Lösung war am Ende eine Kombination aus drei halbguten Richtungen. Hätten wir früher verengt, gäb’s sie nicht.

  • Erst Wirkung, dann 3D, dann Details. Blender ist spätestes Polish. Wer zu früh in Blender geht, wirft teures Detail weg.

Der Vormittag war zum Verzweifeln. Der Nachmittag war das, was Felix beschreibt. Beides gehört dazu.

Und das ist eigentlich der Punkt dieses Posts. Es ist nicht leicht, aber jeder kann es. Ich bin kein Designer, null 3D-Mensch, und entwickelt habe ich seit zwanzig Jahren nicht mehr. Die Hürden sind echt. Aber sie sind nicht unendlich. Das Intro hätte ich nie entwickeln lassen, es hätte ein paar Tausend Euro und unendlich Kommunikation und Zeit gekostet. So war es ein Experiment nebenbei, um „Projects“ in Claude zu lernen. Die Hürden waren vorhanden und echt. Aber an einem Tag haben wir sie gefunden, benannt und weggeräumt.

Schau es dir an: ueberproduct.de. Und fahr mal über die Kaffeemaschine. Wirklich.

Nachtrag – Learnings zu Projects.

Hier was ich zu Projects gelernt habe.

Sie sind nicht, was man denkt:

  • Der Hauptthread koordiniert erstmal nicht. Er macht auch nur, was man ihm sagt.

  • Wenn er koordinieren soll, muss man es ihm sagen und Infrastruktur dafür einrichten: Wo merkt er sich was. Regeln: Wem darf, soll, muss er etwas sagen?

  • Trotzdem bleibt nicht klar, was passiert. Der Hauptthread sagt, er kann nicht beurteilen, was die Unterthreads machen. Das stimmt aber nicht: Manchmal kann und tut er es.

  • So wie ich es verstanden habe, sind die Unterthreads erst einmal unabhängig voneinander. Sie teilen erst einmal keinen Kontext. So weit, so gut. Mir ist es in Projects schon passiert – nicht in diesem, aber in anderen –, dass Unterthreads untereinander kommuniziert und an einem Asset Änderungen vorgenommen haben, von denen ich nichts wusste. Das kann tatsächlich im Desaster enden. Und ich bilde mir ein, das ausgeschlossen zu haben. Es ist aber trotzdem passiert.

  • Projects sind beta. Alles, was ich hier beschreibe, kann heute und morgen anders sein.

  • In vielem hier ist mein Wissen die Grenze. Projects sind nicht nur beta, sondern auch neu.

  • Bei Felix waren wohl mehr als 60 Threads unterwegs, bei mir am Ende ca. 15 oder ein bisschen mehr, ich denke manchmal 4-6 parallel. Ich weiß es nicht genau. Obwohl man in Projekten einen Überblick über Threads bekommt, die arbeiten, auf einen warten, beendet sind, kann es leicht unübersichtlich werden. Und wieder: Erstmal bekommt man keine inhaltliche Hilfe beim Überblick behalten. Nur optisch.

  • Handle with care: bevor ich ernsthafte Sachen mit Projects in relevanter Größe gemacht habe, habe ich erst so wie hier geübt. Gäbe es das Intro nicht, wäre es mir fast egal. Obwohl es so schön ist.

Nochmal: probier mal meinen Kaffee.

Und wenn du bis hier gelesen hast, kannst du sicher anhand der Bilder beantworten: Wie alt bin ich? ;)

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